02161 / 5493-0 ( Zentrale Mo-Fr 8-18 Uhr)

Kreuzband-Operation oder Physiotherapie?

Patienten fragen nach einem Riss des vorderen Kreuzbandes häufig, ob sie das operieren lassen oder eher zur Physiotherapie gehen sollen. Die Antwort der Ärzte ist so verschieden, wie die verfügbaren Studien dazu und die daraus abgeleiteten Erfolgsraten in der Kreuzbandchirurgie. Warum es so große Differenzen gibt und was zu empfehlen ist, erläutert Dr. Ralph Akoto im Vorfeld des 30. Kongress des Berufsverbandes für Arthroskopie (BVASK).

Akoto, Leitender Oberarzt am chirurgisch-traumatologischen Zentrum im AK St. Georg, Hamburg hat mit seinem Team viele Studien zur Kreuzbandchirurgie verglichen. „Die Studien kommen vor allem aus zwei Gründen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Erstens sind die Messmethoden sehr unterschiedlich. Zweitens kann man in der Qualität der Operationen sehr große Unterschiede sehen. Wenn ich ein schlecht operiertes Kreuzband mit der Heilung in der Physiotherapie vergleiche, kommt natürlich nahezu das Gleiche heraus. Es dauert sechs bis sieben Jahre, eine Kreuzband-OP so zu erlernen, dass man es gut kann!“, erklärt Akoto.

Im Durchschnitt reißt nach einer Operation innerhalb der nächsten fünf Jahre bei rund sechs Prozent der Patienten das Kreuzband erneut. Bei zwölf Prozent reißt in diesem Zeitraum das Kreuzband auf der Gegenseite. Bei 16- bis 18-jährigen jungen Männern im hochklassigen Fußball erleiden sogar bis zu 25 Prozent aller Patienten im ersten oder zweiten Jahr nach der OP einen erneuten Riss des Kreuzbandes.

Sollte angesichts dieser Zahlen operiert werden?

„Ja“, sagt Akoto, „aber nicht uneingeschränkt“. Zuerst müsse man sich fragen, wie alt ist der Patient, wie aktiv führt er einen Sport oder seinen Alltag aus. Kurz: hilft ein Kreuzbandersatz dem Betroffenen oder nicht?

„Ein 18jähriger Fußballer beispielsweise, dem Verschleißerscheinungen drohen und der aktiv seinen Sport weiter betreiben will, sollte sich unbedingt operieren lassen“, so Akoto weiter.

Erstens hilft ein neues stabiles Kreuzband, weitere Verletzungen, wie zum Beispiel einen Meniskus-Riss, zu vermeiden. Zweitens senkt die OP das Risiko für einen vorzeitigen Verschleiß, zum Beispiel Arthrose. Drittens wird von den Patienten hinterher nicht so oft von einer Instabilität berichtet, wie nach einer Physiotherapie. Je besser und genauer die Messmethoden, desto besser schneidet eine Operation gegenüber der Physiotherapie ab, berichtet Akoto.

Bei älteren Patienten zwischen 40 und 60 Jahren, lohnt es sich aber auch durchaus, den Riss lange ausheilen zu lassen und konservativ in der Physiotherapie zu behandeln. Wenn der Betroffene sanften Sport ausübt, seinen Alltag anpassen kann und kein Gefühl der Instabilität hat, kann man auf eine OP verzichten. Verschleißerscheinungen schreiten in diesem Alter nicht mehr so schnell fort bzw. führen nicht zu solch großen Beeinträchtigungen.

Nach Angaben der Experten reißt grundsätzlich das vordere Kreuzband häufiger als das hintere. Besonders groß dafür ist die Gefahr in Sportarten mit schnellen Richtungswechseln, wie Fuß-, Hand- Basketball, Judo, Kampfsport oder Ski alpin. Frauen haben ein höheres Risiko für einen Kreuzbandriss als Männer. Sie haben ein breiteres Becken, häufig eine leichte funktionelle X-Bein-Stellung, andere hormonelle Einflüsse und zeigen in Sprunganalysen zum Beispiel ein ungünstigeres Landungsverhalten (Männer gehen mehr in die Hocke). Absolut gesehen gibt es beim Kreuzbandriss aber mehr männliche Patienten, weil es in den entsprechenden Sportarten mehr männliche Athleten gibt. Betroffen sind meist junge sportliche Menschen zwischen 15 und 25 Jahren, aber auch schon Achtjährige oder Menschen über 60 können sich einen Riss des vorderen Kreuzbandes zuziehen. Rund 30 Prozent der Betroffenen haben zusätzlich einen Meniskus-Riss, der genäht werden muss.

Quelle:
  • BVASK
  • © MedCon Health Contents GmbH
Das Albertuszentrum verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Wenn Sie auf der Webseite weitersurfen stimmen Sie der Cookie-Nutzung zu.